Menu

galerienoah2020

Galerie Noah

Galerie Noah

3D exhibitions

  • Galerie Noah

    Accrochage

    17 Nov 2022 – 15 Jan 2023

  • Galerie Noah

    Sterne sind nicht Schnuppe - Die neue Leipziger Schule in Regie von Rosa Loy und Neo Rauch

    23 Sep 2022 – 15 Jan 2023

    Neuen Leipzigern ist nichts schnuppe! Der Mensch in Einsamkeit versunken, erstarrt, hineingeworfen in ein leeres Etwas; der Mann, noch Held der Nation? Die Frau auf spielerischer Suche nach Rolle und Dominanz, Souveränität, in einer die Wechselwirkung Mann - Frau auslotenden Ära; und ein Farb- und Formenrausch, kaum zu übertreffen, an Experimentierfreude und Reminiszenz, ein ausgeklügeltes, poppiges Potpourri, das die Moderne erahnen und zeitgleich kongenial ins Heute übersetzen lässt. So der erste, überwältigende Eindruck der brandneuen Schau in der Augsburger GALERIE NOAH. Die Urheber: Christian Bussenius, Henriette Grahnert, Mandy Kunze, Robert Seidel und Corinne von Lebusa. Wer, wenn nicht Rosa Loy und Neo Rauch, die zwei Urgesteine der Neuen Leipziger Schule, das Künstlerehepaar par excellence, das womöglich die Weichen stellt für eine neue ostdeutsche Künstler-Identität, wer, wenn nicht dieses eingespielte Duo mit Tiefgang, Sinn für Magie und Mythos, sinnschwere Träumereien, könnte ein solch spannungsgeladenes Konglomerat an Künstlern sinnhaft zusammenführen. Er, Neo Rauch, 1960 in Leipzig geboren, künstlerischer Ziehsohn von Arno Rink, bis 2014 Honorarprofessor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, feiert seit Jahren die ganz großen Welterfolge, mit rätselhaften Szenarien voller mythischer Anklänge, zeitlos, nach Sinn und Sinnhaftigkeit forschend, in einer Welt voller Ungleichheit wie Ungenügsamkeit. Sie, Rosa Loy, 1958 in Zwickau geboren, studierte Gartenbauingenieurin, seit langer Zeit schon künstlerisch tätig, hat sich zunehmend einen Namen gemacht, die internationale Kunstszene erobert und bereichert. Sie spannt in ihrer poetisch-fantastischen Malerei ein Netzwerk unter Frauen, das die Metamorphose der Femme fatal zur Femme feminine zulässt, wo frau stark wie sensitiv zugleich agiert, sich subtil zur heimlichen Regentin etabliert. Beide haben den künstlerischen Nachwuchs in Leipzig maßgeblich beeinflusst, und sich mit Freude an das Augsburger Ausstellungsprojekt gemacht. Fünf ehemalige Meisterschüler von Neo Rauch sind es geworden, auf die das Paar ganz besonders setzt, die sich, im Kunstgeschäft bereits angekommen, auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Hier und Heute auseinandersetzen. Christian Bussenius, Henriette Grahnert, Mandy Kunze, Robert Seidel und Corinne von Lebusa knüpften an, spinnen fort und einen zeitgeistigen Bogen von der deutschen Neoromantik über den abstrakten Neoexpressionismus, die Farbfeldmalerei bis hin zur Pop-Art. Individuum contra Kollektiv, der Abgleich weiblicher und männlicher Rollenbilder, Reflexion und Entmystifizierung, die Bedeutung der Malerei per se sind die großen Themen der brandneuen Leipziger Generation, der vierten, die mit der ersten, den Begründern der Leipziger Schule Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, nicht mehr viel gemein hat.

  • Galerie Noah

    BANG! Die Rückkehr der Malerei

    21 Jan 2022 – 03 Apr 2022

    Gerührt, geschüttet und gepinselt, geduldig wie feinsinnig verfasst, dezent en Detail mit Tiefgang oder dickflüssig mit Hochmut aufgetragen, in wilder Farbigkeit verloren, ungebändigt, ungezügelt, unaufhaltsam: die Malerei heute kennt keine Grenzen, weniger denn jemals zuvor. Den Spiegel der Zeit hält sie vor wie kaum etwas anderes, direkt, unweigerlich, ungeschönt - das in pandemischen Zeiten des angehenden 21. Jahrhunderts, so intensiv, so nüchtern bis träumerisch, dass sich der Zeitgeist dieser Tage förmlich aufdrängt. Museen, Galerien und Kunstmessen beweisen: Die Malerei ist zurück, gewaltig, sie trifft den Nerv der Zeit. „Gegenstand der Malerei als einer darstellenden Kunst kann die ganze sichtbare Welt sein, einschließlich einer nur gedachten, die analog der sichtbaren vorgestellt ist“, steht es geschrieben im legendären Wörterbuch der Kunst. Seit Jahrtausenden wetteifern Malerei und Bildhauerei um Bedeutung und Ansehen, um den ersten Platz, den Sieg über sämtliche mit Händen darstellenden Ausdrucksformen. Wenngleich den Anfang, wenn man so will, die Höhenmalerei der Neandertaler vor rund 50.000 Jahren nahm, so rangierten Plastik und Skulptur im Altertum, auch noch im Mittealter deutlich an erster Stelle. Mit Beginn der Neuzeit, der Renaissance dann ändern sich intellektuelle Inhalte und Bedürfnisse, die Malerei gewinnt Oberwasser, - mit kurzem Stimmungstief - bis heute. Die multimedialen Techniken, wie noch vor 20 Jahren geglaubt, scheinen überwunden, die Leiwand dominiert klar und deutlich die Kunstwelt, hat Foto, Video, Computer weit ins Aus geschossen. Stilistisch könnte das malerische Portfolio im heutigen Deutschland nicht breiter gefächert sein: gegenständlich bis abstrakt, neoexpressionistisch bis hyperrealistisch, magisch realistisch bis poppig surreal, informell bis monochrom, symbolistisch bis karikierend lautet die Diagnose. Im Figurativen geht es oft zurück, zurück zur guten alten Gattung: Landschaft, Bildnis, Genremalerei, Interieur oder Vedute geben Halt. Thematisch steht der Mensch in Einsamkeit im Fokus, die Natur als Rückzugsort, übersteigerte Ausgelassenheit als ausgleichendes Pendant. Im Jahre 2022, einer womöglich angehenden postdigitalen Ära, inmitten einer weltumspannenden, alles und jeden beeinträchtigenden Pandemie, wahrlich kein Wunder. Wir, die GALERIE NOAH, präsentieren in unserer aktuellen Accrochage 20 Künstler, allesamt in Deutschland beheimatet, jüngeren wie älteren Semesters, unterschiedlichster Akademien abstammend, die in ihrer ganz eigenen Art zu malen Zeichen setzen, Signale senden, tief in ihr Innerstes blicken lassen, auf herausstechende Weise. Neue Arbeiten, überwiegend der letzten vier Jahre, treffen aufeinander, mit Ecken und Kanten, von experimentellem Charakter, oder etablierter Manier, und feiern in jedem Fall und unabdinglich die Malerei. Mit dabei sind: Christian Awe, Günther Baumann, Tilo Baumgärtel, David Borgmann, Alina Grasmann, Katrin Brause, Bianca Patricia Isensee, Carolin Knoth, Andreas Lech, Christopher Lehmpfuhl, Ilana Lewitan, Rosa Loy, A. R. Penck, Felix Rehfeld, Mehmet & Kazim, Monika Schultes, Marina Schulze, Norbert Tadeusz, Felix Weinold und Bernd Zimmer. „BANG!“ - das haut rein.

  • Galerie Noah

    Hermann Nitsch - Neue Arbeiten

    19 Nov 2021 – 16 Jan 2022

    „Jubelnde Verklärung des Lebens“ „Ich bin lebensbejahend, möchte mich berauschen, an Blumenfarben und frischer Luft!“ Hermann Nitsch, legendärer Vertreter des Wiener Aktionismus, Urheber des Orgien-Mysterien-Theaters, Regisseur gewaltiger Gelage, Kadaver-Kreuzigungen, blutrünstiger Tier-Schlachtungen, er, bald 84-jährig, hat heute leicht reden. Jahrzehnte lang trieb er sein künstlerisches Unwesen, brachte Christen wie Tierschützer an ihre Grenzen, sorgte für einen Skandal nach dem nächsten, kurzum, galt als einer der meist umstrittenen Künstler weltweit. Nunmehr, betagt, besonnen, womöglich beseelt, macht Nitsch große Erlösungs-Oper, geht gelassen in Wettstreit mit Kontrahent Richard Wagner, Gesamtkunstwerk-Anhänger, wie er, und stemmte jüngst die Kulisse für dessen neue „Walküre“ in Bayreuth. Das Ergebnis seiner bühnenreifen Malaktion: farbenfrohe, in der Tat heitere Schüttbilder, die, trotz tragischer Missgeschicke von Brünnhilde, Wotan & Co., erstrahlen, erleuchten, erhöhen, ohne die (kunst-)historischen Tiefen ihres Urhebers zu leugnen. Konsequent, heilsam, ja, durchaus lebensbejahend kommt das daher. Hermann Nitsch, 1938 in Wien geboren, gelernter Gebrauchsgrafiker, später langjährig Professor an der Hochschule für Bildende Künste am Städel in Frankfurt am Main, seit 1971 auf Schloss Prinzendorf bei Wien lebend mit ebenda ansässigem O.-M.-Theater, ist seit den 1960er Jahren künstlerisch tätig, stellt schnell in ganz Europa, den USA und Asien aus. Die Malerei als Aktionskunst ist für ihn der Inbegriff der Passion, des Durch- und Erleidens hin zur Katharsis, und immer wieder überlebensnotwendig, existent. Seine Schütt- und Rinnbilder gelten als Symbol eines dionysisch oder christlich geprägten Leidensweges, der Verdrängtes zutage treten lassen soll. Bezeichnender Weise sind seine dem Informell zuzuordnenden Leinwände lange und oft blutrot; seit einigen Jahren auch blau, gelb und grün: von einer „freudigen, jubelnden Verklärung des Lebens“ gar spricht der Künstler selbst; von „Auferstehungszyklen“. Wunderbar. Die GALERIE NOAH freut sich, diesen prägenden, radikalen wie grenzüberschreitenden Gesamtkunstwerker nach 17 Jahren einmal mehr auszustellen. Gezeigt werden überwiegend Arbeiten, die während der Aktion zu den Bayreuther Festspielen 2021 entstanden sind, aber auch davon unabhängige Malerei mit und ohne Malhemd sowie Zeichnung aus dem Atelier Nitsch auf Schloss Prinzendorf.

  • Galerie Noah

    Karin Kneffel & Meisterschüler/innen - cling together swing together

    17 Sep 2021 – 14 Nov 2021

    Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, weiß Karin Kneffel, internationales Künstlerinnen-Genie der malenden Oberklasse, Meisterin des Neorealismus, ehemals Meisterschülerin von Gerhard Richter an der Kunstakademie Düsseldorf, und geht es an, direkt, ohne Umwege. Nicht nur, dass sie, seit 2008 Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München, zuvor an der Hochschule für Künste Bremen, genau 39 (Meister)schüler aus ihrer Lehrzeit in eine Schau packt, sich selbst obendrauf, in einer waghalsigen Kuration - nein, nicht genug der ungebändigten Experimentierfreude. Nebenbei erklärt die 64-jährige Malerin aus Marl, studierte Philosophin dazu, Anselm Kiefer den Kampf, dem bedeutendsten aller deutschen Historienmaler, pathetisch, monumental, tragend. Die ob ihrer Größe im hohen Kuppelsaal der Augsburger Galerie Noah beheimatete, überdimensionale Landschaft mit installierter Lazerett-Liege aus Blei, „untitled“ von Anselm Kiefer (2016) - Eigentum des benachbarten Kunstmuseum Walter -, ist Stein des Anstoßes, letzten Endes aber Anlass für eine Ausnahme-Ausstellung, die Kontraste, künstlerische Differenzen sinnvoll entschlüsselt – wer hätte das gedacht. Unmittelbar ins Repertoire aufgenommen wird das Monument hier und heute, soll Stoff liefern, aber auch Grund zur Abgrenzung, Bezüge herstellen und inspirieren, nicht einschüchtern. Und so kommt es zu ungeniert duschenden Damen, Fleischmassen von Cellulite en masse, Seifenblasen und entleerten Persil-Kartons rund um das beinahe spätromantische, tief beeindruckende Seestück Kiefers; ja, und nach eingängiger Betrachtung scheint der Ausgang dieses Duells offen: Das Spiel um die Realitäten, das feine Changieren zwischen real, surreal, foto- und hyperrealistisch, fiktiv wie gefiltert, das gerne im stetigen Widerspruch ad absurdum geführt wird, spinnt sich von Karin Kneffel fort mitten hinein in die Arbeiten ihrer Schüler, die tapfer bis nüchtern anstinken gegen den großen Anselm Kiefer, der den Spieß umdreht, knallharte Begebenheiten festlich andächtig auf- wie abarbeitet. Ein Experiment, das seines Gleichen sucht, und gewinnt, in jeder Hinsicht, an Ausdruck, Kraft, Originalität. Wow.

  • Galerie Noah

    David Borgmann & Marina Schulze - Falsche Fährten

    20 May 2022 – 10 Jul 2022

    Die Weltkugel erhaben über den Dingen, Lavafelder in dokumentarischer Genauigkeit, ein idyllischer Ausblick auf mediterrane Buchten, ein seichtes Panorama, soweit das Auge reicht – wie ein kleiner, feiner Ausflug durch Raum und Zeit, quasi einmal um den Erdball in seiner ganzen Pracht, in wohltuender Schönheit und respektvoller Detailtreue, kommt ein Galerie-Rundgang im Glaspalast dieser Tage gleich. Doch falsch gedacht, von wegen und überhaupt! Der kosmische Körper im Übermaß, ein Pilzkopf; die feldartigen Landschaften aus der Vogelperspektive, eine Schaumstoffmatte unter Mikroskop; die Seestücke imposanten Tiefgangs, Flächen voller fremdartiger Stofflichkeit; und das Flair des Mittelmeerraums – genau genommen - nicht mehr als eine großflächig aufgetragene Farblasur mit palmblattartiger Faktur. David Borgmann und Marina Schulze verstehen es, den Betrachter auf „Falsche Fährten“ zu führen, zu irritieren, in der eigenen Wahrnehmung zu verunsichern, aufregend zu verwirren, spannend zu stören. Die gleichnamige Ausstellung in der Augsburger GALERIE NOAH zeigt neue Arbeiten der beiden Karin-Kneffel-Schüler, die, so will man meinen, in ihrer formvollendeten, illusionistischen, filigranen Manier zu malen kaum mehr zu übertreffen sind. Den Realismus führen die zwei gekonnt ad absurdum, ob Hyper-, Neo-, Foto- oder Surrealismus, ist oft nicht mehr genau auszumachen. Jedenfalls und mit großer Sicherheit zählt das Duo, wie ihre Meisterin Karin Kneffel, zu den künstlerischen Überrealisten unserer Zeit, die via Übersteigerung und virtuoser Detailgenauigkeit auch Abstraktion suggerieren, die Gegenständlichkeit förmlich kippen lassen. Genial. David Borgmann, 1983 in Wilhelmshaven geboren, studiert Kunst bei Karin Kneffel erst an der Hochschule in Bremen, dann an der Akademie in München, und schließt sein Studium schließlich 2015 als Meisterschüler von Ingo Meller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab. Er erhält schon in jungen Jahren zahlreiche Preise wie den der Nordwestkunst 2017, stellt schnell in großen Galerien deutschlandweit, auch international aus und festigt seine Position unter all den so Akademieabgängern geduldig, dezent, fundiert. Borgmann steht für kongeniale Experimente mit Tiefenräumlichkeit und Flächigkeit; per Staffagen in je differenzierter Textur gibt er vermeintlich bekannte Wirklichkeiten vor, die sich bei längerer Betrachtung, bei reflektierter Bereitschaft zur Infragestellung auflösen, zu einem Konstrukt konzeptioneller Flächigkeiten werden. Max Ernst lässt grüßen, von Gestern ins Heute. Marina Schulze, 1973 in Delmenhorst geboren, studiert Malerei bei Karin Kneffel und Katharina Grosse an der Hochschule in Bremen und erhält 2005 ihren Meisterbrief. Auch sie wird mit Preisen und Stipendien geehrt, darunter das DAAD-Stipendium für Island, und kann inzwischen auf feste Kooperationen mit etablierten Galerien in ganz Deutschland verweisen. Einige beachtliche museale Einzelausstellungen darf sie bereits auflisten, zuletzt im Syker Vorwerk 2020. Schulze feiert eine Form des Hyperrealismus, wie man ihn bisher kaum erleben durfte: minimalen Mikrokosmos macht sie maximal, zoomt Oberflächen wie die von Lamellen oder Haut heran, nimmt sie unter die künstlerische Lupe, um zu neuen formellen Erkenntnissen zu gelangen. Wie David Borgmann auch, gelingt es Marina Schulze, alle Sinne anzusprechen, haptische Malereien hervorzuzaubern, die berühren, begeistern, faszinieren. Parallel im Studio zeigen wir Zeichnungen von Steffen Kern aus München, einem weiteren Meisterschüler von Karin Kneffel, der mit entleerten Räumlichkeiten einer modernen Gesellschaft spielt und kleine perspektivische Meisterstücke mit reichlich Platz für Fantasie und Suggestion kredenzt.

  • Galerie Noah

    Die Klasse Anselm Reyle

    15 Jul 2022 – 18 Sep 2022

    Autotüren vom Schrottplatz und fliegende Döner am Firmament, blinkende Herzchen und pinkelnde Frauen, der alte Meister am Schwerlastregal und ein Kardashian-Post, fein gepinselt in Öl auf Leinwand, genau genommen made in China – wer, wenn nicht Anselm Reyle führte ein solch trashiges Arsenal an Kunst zusammen, das im historischen Kuppelsaal des Industriedenkmals Glaspalast im - noch dazu – so geschichtsträchtigen Augsburg. Er, der weltberühmte Künstler aus Baden-Württemberg, Vertreter, ja, Erfinder, besser Fortführer einer zeitgeistigen Stilrichtung mit hohem Nachhaltigkeitswert, er hat es mit seinen Bildern, Objekten und Installationen lange schon geschafft in die größten Museen international, von den USA über Europa bis hin nach Ostasien. Auch seine Schüler sind auf dem besten Weg: Reyle reicht es nicht, allein im Atelier der Kunst zu frönen; er ist ein bekennender Teamplayer, und seit 2009 sehr gerne Professor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Eine Gruppenausstellung freilich liegt da nahe; und so kommt`s zu „Die Klasse Anselm Reyle“ im Herzen der GALERIE NOAH inmitten der altehrwürdigen Fuggerstadt, zu Bratwurst mit Solarium-Sonne und Stein mit Toast und Revolver. Anselm Reyle, 1970 in Tübingen geboren, studiert nach einer Ausbildung zum Landschaftsgärtner Kunst an den Akademien in Stuttgart und Karlsruhe, zieht bereits 1997 nach Berlin, um sich voll auf mitten hinein in den Trubel der lauten kreativen Großstadt zu stürzen, den Rhythmus der pulsierenden Metropole zu erspüren. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Nicht nur, dass Reyle in verhältnismäßig sehr jungen Jahren bei der größten Galerie der Welt, Gagosian in New York, unterkommt; auch die größten Museen scheinen sich um ihn zu reißen, ob die Tate Modern in London, die Deichtorhallen in Hamburg oder das Aranya Art Center in China. Selten ein Reyle ohne Retrospektive – auch dieser Tage zeigt der renommiert Kunstverein Heilbronn in der Kunsthalle Vogelmann eine riesen Schau. Das alles scheint nachvollziehbar: trifft Anselm Reyle den Nerv der Zeit, des angehenden 21. Jahrhunderts. In Manier einer Art Postmoderne bedient er sich bewusst und nachweislich der großen Kiste vor allem der Moderne, um deren Errungenschaften quasi ins Heute zu übersetzen, weiterzuspinnen, auch in Frage zu stellen; allen voran die Abstraktion, der abstrakte Expressionismus eines Jackson Pollocks oder Barnett Newman, oder die amerikanische Minimalart, die deutsche konkrete Kunst, auch der russische Konstruktivismus. Reyle macht sich hierfür nicht unbedingt die Farbpalette von Schmincke oder Lukas zu eigen; nein, er klebt Folie auf, versprüht Lacke, lässt Neonröhren leuchten oder versieht plüschige Sitzkissen mit dem Abbild zerknüllten Cellophans. Mit Vorliebe auch im Einsatz: Fundstücke jeglicher Art. Das Ready Made eines Marcel Duchamps klingt an, drängt sich auf, die Grenze zum Design hin ist fließend, denkt man an Reyles Kooperationen mit Meissen Porzellan oder dem Hause Dior. Vielleicht womöglich könnte man ihn als postmodernen Popstar der Gegenwartskunst bezeichnen, ohne Verfechter der Pop-Art zu sein. Chris Drange, Christian Holze, Helen Hu, Nanhee Kim, Katsuhiko Matsubara, Matthew Muir, Juno Rothaug, Xiyao Wang und Albrecht/Wilke, allesamt ehemalige Meisterschüler Anselm Reyles, treten in große Fußstapfen, nicht ohne eine gehörige Portion Freigeist wie eigenwilliger Tatendrang. Nicht gleich auf den ersten Blick ist der künstlerische Urvater zu erkennen; auf einen zweiten allemal. Frech, humorig, auch ernsthaft wird interpretiert, werden die alten Geister des 20. Jahrhunderts heraufbeschworen, allerdings zeitgemäß verpackt; gemalt wird der Instapost – im Übrigen von einer Fabrik in China -, die Bratwurst unter der Sonne eines bekannten Solariumbetreibers, nur wie gemalt wirkt der Tintenstrahldruck, installiert am windigen Regal anstatt der gediegenen Museumswand. Alles anders macht die Klasse Reyle, stellt den antikisierten Kunst-Begriff ganz schön auf den Kopf, in Frage. Wow. Es wird Zeit.

  • Galerie Noah

    Markus Oehlen & Meisterschüler

    05 Feb 2021 – 21 Mar 2021

    Der Bad Boy und seine Schüler – kongenial! Galerie Noah im Augsburger Glaspalast präsentiert neue Arbeiten von Markus Oehlen samt Meisterschülern und macht richtig gute Laune – verlängert bis 21. März 2021 „Man stellt eine Behauptung auf, versucht, gegen etwas zu sein. Man hat ein Feindbild, und entwickelt daraus eine neue Malerei!“ Bad Boy und Enfent terrible Markus Oehlen, ehemals Punk-Schlagzeuger und Junger Wilder, Untergrund-Beweger par excellence und rotziger Rebell der Golden Eighties, gibt sich heute deutlich reflektierter, wie hier im Interview für seinen brandneuen Katalog (Kerber-Verlag); reflektierter, filigraner, womöglich intellektueller, doch keinesfalls weniger leidenschaftlich. Über drei Jahrzehnte liegt die Zeit der ungebundenen Unbeugsamkeit hinter ihm, die Zeit wilder Bildtitel wie „Vom Stuhl gefallener Akt mit Trompete“ oder „Vaters Hände“. Das Wilde indes hat sich Oehlen bewahrt, in neue Bahn gelenkt, modern und zeitgeistig gemacht, komprimiert korrigiert, subversiv systematisiert. Seine neuen Arbeiten zeugen von einer ausgeklügelten Vorgehensweise, einem Knowhow über Technik und Effizienz, einer ungebändigten Experimentierfreude und einer intensiven Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Digitalisierung samt Auswirkung; alles fließt ineinander über, ein und hinaus, auf nahezu kongeniale Weise - genial. 1956 in Krefeld geboren, studiert Markus Oehlen von 1976 bis 1982 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi, zieht provokant durch die Lande und landet schließlich 2002 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. Ausstellungen weltweit seit knapp 40 Jahren, unter anderem im Museum of Modern Art New York, geben ihm Recht, machen ihn berühmt und unverwechselbar: als Vertreter des so genannten Pop Informel, der konstruierten Malerei, die Abstraktion und Figuration gegenüberstellt, die mit fragmentierten Überlagerungen arbeitet, in gemalten, gezeichneten und collagierten Schichten vorgeht und sich fleißig Motiven der Popkultur bedient. Was liegt da näher, als die Thematisierung der Reiz- und Bildüberflutung unserer digitalen Neuzeit wie in Oehlens aktueller Malerei? Erstarrte Körperkonturen, psychedelische Kreise, Muster, Raster, Rippen, Rillen, Farbe, Foto und Lack verschmelzen zu einem mehrdeutigen Etwas, das unmittelbar in seinen Bann zieht, unweigerlich. Kein Wunder, als solch kompetenter wie jugendlich gebliebener Akademie-Professor, dass die Schüler nur so strömen in die „Klasse Markus Oehlen“ nach München. Vier ehemalige Meisterschüler hat der Maestro auserkoren für die aktuelle Top-Schau in der Augsburger Galerie Noah, die neben neuen Arbeiten Oehlens auch die der Zöglinge Mehmet & Kazim, Andreas Lech und Justin Almquist präsentiert. An Originalität wie Brisanz freilich fehlt es den Vieren kaum: Mehmet & Kazim Akal, die Shooting-Stars unter den Schülern, treten als ihr Alter Ego The Kissing Cousins in Erscheinung, per se wie in ihren Arbeiten, persiflieren tradierte Kategorisierungen wie Übermännlich oder Exotisch und geben dabei ein die Welt mit Küsschen wie Herzchen überschüttendes Duo ab; Justin Almquist rückt das Schöne in poppig-bröckelnder Manier und Papiermaché auf Holz in den Mittelpunkt des Betrachters und verweist so nicht zuletzt auf deren Vergänglichkeit; und Andreas Lech begibt sich in seiner zunehmend monochromen Malerei auf die Suche nach dem figurativsten abstrakten Bild aller Zeiten.

  • Galerie Noah

    SEO - Fremd verbunden

    08 Apr 2022 – 15 May 2022

    Korallen umsäumte Bergstraßen, geschnitzte Hochhäuser und Heerscharen von Schwänen überwuchern die Leinwände von SEO dieser Tage – die südkoreanische Malerin aus Berlin ist zurück, mit ganzer Kraft, in starker Farbigkeit und einer ganz klaren Message. Die Natur, Schosse allen Seins, feiert Triumph über das Urbane, über Digitalisierung, auch Globalisierung, und packt den Betrachter förmlich am Schopfe: Als letztes Glied einer Herde wird er entführt mitten hinein in Täler und Berge; schwimmt mit Wasserfrauen, Korallenwächtern und Anemonenfischen entlang paradiesischer Riffe oder erkundet via Zebra Asphalt und Beton. Ein tiefes Gefühl, Verbundenheit, ja, Sehnsucht macht sich breit beim Innehalten vor imposanter Bildhaftigkeit, nach dem Duft des Waldes, dem Eintauchen in azurblaue Gewässer, nach Wanderungen durch kernige Gebirgslandschaften bei Sonne oder Kälte – kurzum, nach Authentizität im echten, im wahren, in einem analogen Leben. Ein Blick auf das Entstehungsjahr all dieser so wunderschönen Fantasiewelten hält gut und gerne einen Spiegel vor: Allesamt gemalt in den Jahren 2019 bis 2022, während der so genannten postdigitalen Ära, einer den Menschen auf sich zurückwerfenden weltweiten Pandemie, in Zeiten von „Fridays for Future“, wird Bedürfnis nach und Sorge um mehr als deutlich. „Ich will die Natur nicht loslassen, will riechen und fühlen und meine Wurzeln spüren“, sagt die Künstlerin voller Ernsthaftigkeit und Hingabe, in ihrem Innersten überzeugt, genau wie ihr „Froschmädchen III“ von 2021, das eine große grüne Amphibie glückselig an sich drückt. SEO, 1977 in Gwangju, Südkorea, geboren, studiert erst Kunst an der Cho-sun Universität in Gwangju, wo sie die koreanische Reispapiertechnik erlernt, bevor sie 2001 in die Klasse von Georg Baselitz an die Universität der Künste Berlin wechselt. Sie schließt 2004 als dessen Meisterschülerin ab, erhält zahlreiche Auszeichnungen wie die Blickachsen Bad Homburg oder den Falkenrot Preis Berlin und stellt bis heute in großen internationalen Museen aus. Sie beschäftigt sich, im Übrigen auf Anraten ihres Lehrers Baselitz, intensiv mit der Suche nach Heimat, ihrer Identität als Ostasiatin in Mitteleuropa, einem Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Moderne. Stilistisch auf den Punkt bringt die perfektionistisch veranlagte Koreanerin ihr Thema mit Einbezug der Reispapiertechnik in Acrylmalerei, die eine verfremdende Plastizität, Räumlichkeit erzeugt, gebettet in ihre ganz eigene, nahezu poppig-surreale Neo-Romantik.

    latest works

    • Bernd Zimmer

      Im Spiegel, 2018
      58 x 36 cm (h x w)
      Lithographie
    • Bernd Zimmer

      Reflexion, 2018
      88 x 58 cm (h x w)
      Lithographie
    • Bernd Zimmer

      Constellation (5(, 2018
      58 x 45 cm (h x w)
      Acryl auf Papier
    • Bernd Zimmer

      Im Spiegel, 2018
      58 x 36 cm (h x w)
      Lithographie
    • Christian Awe

      o.T., 2018
      76 x 56 cm (h x w)
      Acryl auf Papier
    • Bernd Zimmer

      Das geheime Leben der Sterne 14, 2018
      120 x 150 cm (h x w)
      Acryl auf Leinwand
    • Corinne von Lebusa

      Wedding Rain, 2021
      140 x 100 cm (h x w)
      Mischtechnik auf Karton, Collage
      8570 EUR
    • Henriette Grahnert

      Ingaz Wonderkind, 2015
      30 x 24 cm (h x w)
      Acryl und Papiercollage auf Leinwand
      2100 EUR
    • Henriette Grahnert

      Bob Dickson, 2015
      24 x 18 cm (h x w)
      Acryl und Papiercollage auf Leinwand
      1680 EUR
    • Henriette Grahnert

      Yamina Windsor, 2015
      30 x 24 cm (h x w)
      Acryl und Papiercollage auf Leinwand
      2080 EUR
    • Henriette Grahnert

      Olga Smetanova, 2015
      40 x 30 cm (h x w)
      Kabel und Acrylglas
      2650 EUR
    • Henriette Grahnert

      Cate Chevalier, 2015
      24 x 18 cm (h x w)
      Acryl und Papiercollage auf Leinwand
      1680 EUR
    • Henriette Grahnert

      Heidi Bachstein, 2015
      30 x 40 cm (h x w)
      Öl, Acryl und Papier auf Leinwand
      2.1 EUR
    • Corinne von Lebusa

      Distant Touch, 2022
      50 x 40 cm (h x w)
      Mischtechnik auf Karton
      2975 EUR
    • Corinne von Lebusa

      Giraffe fängt Kaninchen, 2021
      70 x 50 cm (h x w)
      Mischtechnik auf Karton
      4050 EUR
    • Corinne von Lebusa

      Hush, 2022
      40 x 30 cm (h x w)
      Mischtechni auf Karton
      2380 EUR
    • Mandy Kunze

      Rudel, 2021
      30 x 40 cm (h x w)
      Acryl und Eitempera auf Leinwand
      2270 EUR
    • Mandy Kunze

      Transformation, 2022
      200 x 300 cm (h x w)
      Acryl und Eitempera auf Leinwand
      16100 EUR
    • Henriette Grahnert

      Cockfighting Screens, 2014
      200 x 280 cm (h x w)
      Acryl auf Leinwand
      22150 EUR
    • Henriette Grahnert

      Der Klan, 2014
      190 x 150 cm (h x w)
      Acryl und Ölkreide auf Leinwand
      15700 EUR