SABINE LAIDIG
Die 1960 in Sindelfingen geborene Künstlerin studierte in Stuttgart und Frankfurt am Main, sie unterrichtete 1989-99 in Ludwigsburg, seit 1997 in Trier, 2005 in Greifswald und Rostock. 1997-98 legte sie ein Postgraduiertenstudium in Japanologie ab und absolvierte einen Studienaufenthalt in Japan und das vor allem war für die Entwicklung ihres weiteren künstlerischen Werkes von großer Bedeutung. Nicht unerwähnt sollte sein, dass Sabine Laidig mehrere Preise erhielt und Wettbewerbe im Bereich von Kunst am oder im Bau (z.B. Landtagsgebäude im Fürstentum Liechtenstein 2008/9) erfolgreich abschloss.
Was wir hier sehen, aber auch nur dann sehen, wenn wir uns „meditativ“ auf diese Zeichnungen einlassen, so erleben wir etwas sehr Besonderes, denn Sabine Laidig gelingt es, „Rationalität und Intuition“ gleichermaßen ins Spiel zu bringen und miteinander zu verbinden. Der Entstehungs- und Arbeitsprozess dieser Arbeiten geschieht in höchster Konzentration, in einer meditativen Stimmung, die sich auf den Betrachter überträgt. Die von der Künstlerin in Japan gemachten Erfahrungen finden hier ihre schöpferische Umsetzung. Die Zeit, die sie für diese Arbeiten verwendet, ist in ihnen aufgehoben, und wenigstens einen Bruchteil dieser Zeit sollte man auch für ein aufmerksames HINSEHEN verwenden.
Feinste, dünn gezogene Farblinien mit Pigmentstiften oder mit Tuschen überziehen in strenger Parallelität das Weiß des Papiers, sie bilden kleine und kleinste Quadrate von 2 bis 8 mm und besitzen einen Abstand bis zu 1 mm. Erst bei konzentrierter Betrachtung entfaltet sich die volle Wirkung, entwickelt sich eine Progression von Blatt zu Blatt. Es entsteht ein geistig-abstrakter Dialog, der sowohl auf dem Bildträger zwischen der subtilen Farbigkeit und der blendenden Helligkeit des Papierweiß, bzw. der Leinwand stattfindet.
Nach längerem Hinschauen, nach einem sich Einlassen auf das, was da scheinbar ein NICHTS ist, scheinen die Zeichnungen, wie auch die Malerei, aus sich heraus zu erstrahlen, Licht zu verströmen, obwohl die vermeintliche Farblosigkeit, Farbtöne von lichtem Graublau oder hellem Orange, von gelb-, rot- oder kühlem blaustichigem Weiß auf dem Weiß der Leinwände oder der Papiere kaum wahrnehmbar sind, aber dennoch reflektieren. So entwickelt sich ein Lichtraum zwischen der Farboberfläche auf dem Blatt oder der Leinwand und dem Auge (Netzhaut) des Betrachters.
Die so entstehende Vibration und Bewegung, das Vor und Zurück der Raster, wenn sie wollen, die Lichtfrequenzen, vermögen auch das Auge des Betrachters in Schwingungen zu versetzen, wenn Sie es zulassen. Außerdem kommt es bei all ihren Arbeiten sehr auf die Beleuchtung des Raumes an, auf den Lichteinfall, auf Tages- oder Kunstlicht. Daher kann es sein, dass Zeichnungen und Leinwände stets einen anderen, einen neuen und überraschenden Ausdruck vermitteln.
Ausschnitte aus der Rede von Dr. Sibylle Badstübner-Gröger anläßlich der Ausstellungseröffnung »LOW FREQUENCY« am 17.3.11 in der »Galerie im Turm«, Berlin