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Schimmel auf Leinwand

Am Freitag, den 13. Januar eröffnet die Walter Bischoff Galerie / Immaginaria Arti Visive Gallery um 19.00 Uhr die erste Berliner Einzelausstellung von TTozoi (der Name steht für die beiden italienischen Künstler Stefano Forgione und Pino Rossi). Sie ist bis zum 20. Februar 2012 zu besichtigen. Kuratorin der Ausstellung ist Carolina Lio, die zusammen mit Luca Beatrice auch für die Katalogtexte verantwortlich zeichnet. Die Galerie zeigt ungefähr zwanzig neue Werke, die alle in einer besonderen Technik - „Schimmel auf Leinwand“ - ausgeführt wurden. Dabei dieser Technik handelt es sich um das Charakteristikum von TTozoi, um das Zentrum ihrer ästhetischen und theoretischen Recherche.

Wie die Kuratorin im Katalog feststellt ist es TTozoi “gelungen, die künstlerische Tradition Europas, die Notwendigkeit eines Kunstwerks als Objekt der Bewunderung mit dem neu erwachten Interesse der internationalen Kunst an einer Einführung organischen Materials zu verbinden ”. Indem sie die informalen Tendenzen der bedeutendsten Werke der italienischen Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts fortsetzen, gelingen den beiden Italienern Arbeiten, die wie für das Klima der zeitgenössischen Kultur und für die experimentierfreudigsten Interessen der heutigen Kunst geschaffen sind. Ihr Eingriff ist auf ein Minimum reduziert, und der Schimmel kann sich ungehindert auf der Leinwand ausbreiten. So entstehen ihre Werke, die nahezu “land-art auf Leinwand (zeigen), die nach dem Zufallsprinzip agiert. Ihre Werke sind Schimmelkulturen, das heißt Lebewesen, die sich mit Hilfe ihrer Sporen im Raum ausbreiten und das Bild dominieren, welches sie tatsächlich auf unbewusste Weise geschaffen haben. In dieser Erwartung und im Vertrauen auf den Prozess des Lebens, in diesem unerschütterlichen Glauben an die Ordnung und die Ästhetik der organischen Strukturen liegt der eigentliche Sinn ihrer Handlung ”. Von der Arte Povera bis zur bereits zitierten land-art, vom schon zur Geschichte gewordenen Informalen bis zu den neuen Grenzen der Ephimeral- und Bio-Art erinnert ihr Werk an jenes von Marc Quinn oder Damien Hirst und lässt Parallelen zum Thema Leben und Tod in der zeitgenössischen Kunst ziehen. Doch auch zum Vertrauen Jackson Pollocks in die Tatsache, dass ein Bild sein eigenes Leben lebt. “TTozoi schaffen Kunstwerke, die auf der Philosophie der Erwartung gründen und auf dem Gefühl des Vertrauens darein, dass alles von selbst in Ordnung kommen wird, weil darin die Tendenz und die Perfektion des Universums besteht “.

BIOGRAFISCHE ANMERKUNGEN

TTozoi sind zwei junge Künstler aus Avellino. Im Jahre 2010 richteten Stefano Forgione (1969) und Pino Rossi (1972) ihre erste Einzelausstellung in dem bedeutenden historischen Gebäudekomplex Castel dell’Ovo in Neapel aus. Die Ausstellung wurde von Luca Beatrice, dem Kurator des italienischen Pavillons der Biennale von Venedig von 2009 organisiert. Diesem Ereignis folgten zahlreiche weitere Einzelausstellungen, unter anderem im Palazzo della Prefettura in Avellino (2010); Franco Senesi Fine Art Gallery in Positano (2010); Museum Salvatore Emblema in Terzigno, Neapel (2010); Raffaella De Chirico Galleria d’Arte in Turin (2011); Yvonne Arte Contemporanea in Vicenza (2011). Nach der Einzelausstellung in der Walter Bischoff Galerie in Berlin ist bereits eine weitere Einzelausstellung im L.A. Artcore in Los Angeles in Planung, eine Doppelausstellung in der Galerie Libra in Catania und die Teilnahme an der Art Karlsruhe. TTozoi sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen in Italien und im Ausland vertreten.

January 13, 2012 - February 20, 2012

exhibitions of immaginaria arti visive gallery - Walter Bischoff Galerie

  • Mar 30 2012 - May 8 2012

    Heinz-Hermann Jurczek "Remix-pantings&qu...

    Heinz-Hermann Jurczek, geboren 1954 in Bochum, zeigt sich in seinem reich facettierten, selbst für Spezialisten seines Werkes kaum noch überschaubaren Bilderkosmos als souveräner Erbe aller Strömungen der Abstraktion im 20. Jahrhundert: Suprematismus, Konstruktivismus, Neoplastizismus, Konkrete Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Tachismus/Informell, Colourfield Painting in den 50er, Hard Edge und Op Art in den 60er und NeoGeo in den 80er Jahren.

    Anregend für die Entwicklung von Jurczeks späteren künstlerischen Verfahren erwiesen sich vor allem die geometrisch stilisierten Landschaften Peter Brünings aus der Vogelperspektive, über die sich elegant geschwungene Straßenbänder mit Kreuzungspunkten wie bunte Schleifen winden. Brüning, Jahrgang 1929, der 1970 in Düsseldorf früh verstorben ist, entwickelte seit 1964 aus der informellen Malerei diese an stilisierte Straßenkarten in Signalfarben erinnernden Bilder. Bemerkenswert ist die Polarität zwischen organischen und konstruktiv-technischen Formen. Noch vor seinem Studium kam Jurczek mit dieser Malerei in Berührung, die das Organische und Spontane der informellen Kunst aus den 50er Jahren mit den harten Kanten und geometrischen Feldern der Hard Edge Malerei und der Op Art der 60er Jahre verbunden hat. Ausgangspunkt von Jurczeks künstlerischer Methode war das Collagieren mit präparierten Seidenpapieren, Aquarell und Bleistift auf Nessel, das einen eigenen, umfangreichen Werkkomplex bildet. Später übertrug er dieses Collageprinzip auf die Arbeit an der Leinwand mit Acryl. Wie auf einer imaginären Bühne führt er unbeirrt immer neue Szenen seiner visuellen Dramolette auf. Massive geometrische Körper, feinste Liniengeflechte, spitzwinklige und stumpfe Formen, Hohlformen und metallisch glänzende Flächen, warme und kalte Farben stehen in ständiger Spannung zueinander, lassen das Auge nicht zur Ruhe kommen.

    Diese Bilder sind mit dem Rücken zur Natur, zur Landschaft, zur gebauten Stadt entstanden. Kein Naturstudium trübt ihre Künstlichkeit. Die Bildfläche ist kein Fenster zur Außenwelt mehr. Heinz-Hermann Jurczeks Malerei ist im besten Sinne eine vom Gegenstand, von der Umwelt abstrahierende, konstruierte und zugleich vor seinem schöpferischen Auge imaginierte Kunst. Seine non-figurativen Werke sind keine abstrakt-konkreten, geometrischen, in sich ruhenden, auf das Absolute zielenden Kompositionen im Sinne von Malewitschs Bildkonzept der Ikone als Andachtsbild der reinen Form. Eher folgt er mit seinen messerscharfen entlang der Reißschiene des Ingenieurs oder Entwerfers gezogenen Linien dem Konzept von Rodschenko, der als Künstler-Ingenieur das Technische, mathematisch Berechenbare betonte.

    Seine Re-Interpretationen schaffen eine eigenwillige Synthese aus organischen Natur- und Landschaftsformen und technisch geometrischen Gestellen und ornamentalen Flächenmustern. Aus diesem bipolaren Spannungsverhältnis entwickelt jedes Bild eine innere Dynamik, die bis an die Schmerzgrenze der Wahrnehmung reicht.

    Text Von Dr. Eckhart J. Gillen

  • Jan 13 2012 - Feb 20 2012

    Schimmel auf Leinwand

    Am Freitag, den 13. Januar eröffnet die Walter Bischoff Galerie / Immaginaria Arti Visive Gallery um 19.00 Uhr die erste Berliner Einzelausstellung von TTozoi (der Name steht für die beiden italienischen Künstler Stefano Forgione und Pino Rossi). Sie ist bis zum 20. Februar 2012 zu besichtigen. Kuratorin der Ausstellung ist Carolina Lio, die zusammen mit Luca Beatrice auch für die Katalogtexte verantwortlich zeichnet. Die Galerie zeigt ungefähr zwanzig neue Werke, die alle in einer besonderen Technik - „Schimmel auf Leinwand“ - ausgeführt wurden. Dabei dieser Technik handelt es sich um das Charakteristikum von TTozoi, um das Zentrum ihrer ästhetischen und theoretischen Recherche.

    Wie die Kuratorin im Katalog feststellt ist es TTozoi “gelungen, die künstlerische Tradition Europas, die Notwendigkeit eines Kunstwerks als Objekt der Bewunderung mit dem neu erwachten Interesse der internationalen Kunst an einer Einführung organischen Materials zu verbinden ”. Indem sie die informalen Tendenzen der bedeutendsten Werke der italienischen Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts fortsetzen, gelingen den beiden Italienern Arbeiten, die wie für das Klima der zeitgenössischen Kultur und für die experimentierfreudigsten Interessen der heutigen Kunst geschaffen sind. Ihr Eingriff ist auf ein Minimum reduziert, und der Schimmel kann sich ungehindert auf der Leinwand ausbreiten. So entstehen ihre Werke, die nahezu “land-art auf Leinwand (zeigen), die nach dem Zufallsprinzip agiert. Ihre Werke sind Schimmelkulturen, das heißt Lebewesen, die sich mit Hilfe ihrer Sporen im Raum ausbreiten und das Bild dominieren, welches sie tatsächlich auf unbewusste Weise geschaffen haben. In dieser Erwartung und im Vertrauen auf den Prozess des Lebens, in diesem unerschütterlichen Glauben an die Ordnung und die Ästhetik der organischen Strukturen liegt der eigentliche Sinn ihrer Handlung ”. Von der Arte Povera bis zur bereits zitierten land-art, vom schon zur Geschichte gewordenen Informalen bis zu den neuen Grenzen der Ephimeral- und Bio-Art erinnert ihr Werk an jenes von Marc Quinn oder Damien Hirst und lässt Parallelen zum Thema Leben und Tod in der zeitgenössischen Kunst ziehen. Doch auch zum Vertrauen Jackson Pollocks in die Tatsache, dass ein Bild sein eigenes Leben lebt. “TTozoi schaffen Kunstwerke, die auf der Philosophie der Erwartung gründen und auf dem Gefühl des Vertrauens darein, dass alles von selbst in Ordnung kommen wird, weil darin die Tendenz und die Perfektion des Universums besteht “.

    BIOGRAFISCHE ANMERKUNGEN

    TTozoi sind zwei junge Künstler aus Avellino. Im Jahre 2010 richteten Stefano Forgione (1969) und Pino Rossi (1972) ihre erste Einzelausstellung in dem bedeutenden historischen Gebäudekomplex Castel dell’Ovo in Neapel aus. Die Ausstellung wurde von Luca Beatrice, dem Kurator des italienischen Pavillons der Biennale von Venedig von 2009 organisiert. Diesem Ereignis folgten zahlreiche weitere Einzelausstellungen, unter anderem im Palazzo della Prefettura in Avellino (2010); Franco Senesi Fine Art Gallery in Positano (2010); Museum Salvatore Emblema in Terzigno, Neapel (2010); Raffaella De Chirico Galleria d’Arte in Turin (2011); Yvonne Arte Contemporanea in Vicenza (2011). Nach der Einzelausstellung in der Walter Bischoff Galerie in Berlin ist bereits eine weitere Einzelausstellung im L.A. Artcore in Los Angeles in Planung, eine Doppelausstellung in der Galerie Libra in Catania und die Teilnahme an der Art Karlsruhe. TTozoi sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen in Italien und im Ausland vertreten.

  • Sep 2 2011 - Sep 9 2011

    Weltsüchtig: Zeichnungen/Cut-Outs

  • Jul 1 2011 - Aug 2 2011

    Manfred Hebenstreit, Neue Arbeiten

    Hebenstreit ist 1957 in Altheim/Oberösterreich geboren. 1979-84 studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für künstlerische Gestaltung in Linz. Seit 1987 längere Arbeitsaufenthalte in Italien, Amerika, Spanien, Frankreich und Kroatien, wo jeweils entsprechende landbezogene Malserien entstehen. 1990 erhielt er das Stipendium der Walter Bischoff Galerie für einen sechsmonatigen Atelieraufenthalt in San Jose/USA. 2002 und 2011 Verleihung des Großen Kulturpreises des Landes Oberösterreich.
    Die sehr erfolgreiche Ausstellungstätigkeit beginnt gleich nach seinem Studium 1985.
    Bereits 1987 führt Walter Bischoff in seiner damaligen Galerie in Chicago eine große Einzelausstellung durch, die dem Künstler großes Aufsehen in Chicago einbrachte. Seither sind viele Ausstellungen weltweit in Museen und bedeutenden Galerien durchgeführt worden, so auch 1994 im Museum Würth, 1995 Museum Salzburg, 1997 Museum Malo/Italien, 2003 Museum Villa Haiss, im kunsthistorischen Museum in Wien und im Museum moderne Kunst in Passau, 2006 Allrussisches Nationalmuseum, Moskau, 2008 Sate Russian Museum/Museum Ludwig, St. Petersburg, RU, 2010 Eröffnung KOMETOR Hebenstreit-Himmelskörper in Peuerbach.
    Hebenstreit hat nach einer euphorischen Phase der klassischen Malerei auf Leinwand und Papier nun durch architekturbezogene Projekte die Malerei auf Holz, Stahl und Aluminium entdeckt und dabei in seiner Malerei nun mehr räumliche Wirkung erzielt.
    Hebenstreit ist experimentierfreudig. 2000 hat er ein besonderes Verfahren entwickelt Glasbilder herzustellen. Jeweils zwei gleich große Glasflächen werden nach einer Bemalung durch sehr hohe Hitze und hohen Druck miteinander verschweißt. Werden diese Glasflächen dann dabei noch über eine vorgefertigte Form gebogen, entstehen Glasstelen oder Glasskulpturen, die durch die Lichtdurchflutung eine ganz besondere Ausstrahlung haben.

    Hebenstreits Werk, die im Wechselspiel von Zeichnung und Malerei entstandenen Arbeiten, sieht man die Kraft und Dynamik ihres Schaffensprozesses an. Mit oft breiten Pinseln in schnellen Zügen aufgetragene Farben, gelegentlich hochflüssig und ineinander verlaufend, in älteren Werken meist ergänzt durch tiefschwarze lang gezogene raumgreifende Linienfurchen, die durch zornig gekritzelte Strichbündel, die Bildkomposition ergeben. Man glaubt bei der Bildbetrachtung förmlich die physische Leistung zu spüren, mit der der Künstler, die Bildidee auf dem Maluntergrund umsetzt.

    Nicht unerwähnt bleiben darf dabei der, zusammen mit seiner Frau Billa Hebenstreit, konzipierte und realisierte Kometor in Peuerbach, dem Wohnort der Hebenstreits. Ein begehbares innen verspiegeltes Bauwerk mit Video- und Musikanimation.

  • May 27 2011 - Jun 30 2011

    Zeitlose Bezauberung

    Das Werk Reggianis zeigt eine reglose Welt, alles steht in der Schwebe: Schwer zu zähmende Tiere wie Stachelschwein, Steinbock, Gepard oder Rhinozeros scheinen einen Zustand von Distanz erreicht zu haben, der für uns erstrebenswert ist.

    Der Zylinder oder der Bogen, der auf seltsame Weise zerbrochen ist, suggerieren die mathematische Grundlage der Baukunst. Diese Objekte haben ein klar definiertes geometrisches Erscheinungsbild. Doch geheimnisvolle Kombinationen von belebten und unbelebten Formen schaffen die Faszination einer Malerei, welche wir aufgrund ihrer Fähigkeit, uns in nicht existierende Landschaften zu versetzen, die über eine sinnlich erfahrbare empirische Wirklichkeit hinausgehen, und dadurch möglicherweise unserem Wunsch nach einer „perfekten Begegnung“ zwischen der Natur der Dinge und den Gedanken entsprechen, der Metaphysik zur Seite stellen könnten.

    Die Natur, stumm nur im Werk Reggianis, ist von einem schwer zu ergründenden Zauber durchdrungen. Die ‘Metaphysik’ trennt in der Tat das gemalte ‘Ding’ von dem realen Gegenstand, um es zu isolieren. So will der Künstler aus Faenza das Tier aus seiner natürlichen Umwelt heraustrennen, um es in einen künstlich geschaffenen, abstrakten, geometrischen Raum zu versetzen. Das Tier, Rhinozeros oder Steinbock, ebenso wie die kleinen Inseln am Horizont, die mit ihren Strandkiefern oder Zypressen zwar erkennbar, jedoch unerreichbar sind. Einsam und visionär muss der Künstler seine Arbeit als einen Akt des Widerstandes gegen die Vorstellung vom Wahrscheinlichen interpretieren.

    Nur wenigen Künstlern gelingt es, einen vollkommenen Ordnungszustand zu erreichen, geistige Ordnung und endgültiges Gleichgewicht. Um nicht an den Bezügen zur Vergangenheit zu scheitern kann es hilfreich sein, sich dem Werk zu nähern, das ausgehend von einer “klassischen” Malerei die Fülle des Humanismus in sich aufnimmt, wobei sie ihr das Gewicht der Materie nimmt, um spirituellere Aspekte zu unterstreichen. Durch das Fortbestehen eines ununterbrochenen Dialogs zwischen der Unsicherheit des Lebens und dem Impetus einer Spannung, die versucht, vom Bemühen des Menschen zu erzählen, bewusst mit den Grenzen der Perfektion umzugehen, muss die Kunst in der Lage sein, sich von den Fesseln der Gegenwart zu befreien und mit Hilfe des Blicks sämtliche Dimensionen der Zeit zu durchmessen. Das so genannte Zeitgenössische ist nichts anderes als das Vergängliche, Flüchtige, die eine Hälfte der Kunst, deren andere Hälfte laut Baudelaire das Ewige und Unveränderliche ist. So vollenden Blicke von Tieren, Landschaften, deren unendlich weite Horizonte über das Quadrat oder Rechteck des Rahmenfensters hinausgehen, von Schweigen durchzogene architektonische Fragmente die Natur in den Gemälden Cesare Reggianis. "Zeitlose Bezauberung" kann ein Gefühl von Endlichkeit und Unendlichem darstellen, von Essenz oder Substanz, von Vorstellung oder Wirklichkeit, die ‘malerische Poetik’ schwebender Momente, in Übereinstimmung und Nähe zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

  • Apr 29 2011 - Apr 24 2011

    Assembling a fluorescent mantra

    Wenn die kybernetischen Codes mit ihren informatischen und digitalen Vorgängen nunmehr das obligatorische Medium der neuen Kunstsprachen geworden sind, drängt die Arbeit von Ayis Zita über ihre instrumentale Dimension hinaus, um formative Prozesse, also die sogenannte “innere” Phänomenologie, aufzuzeigen. Auf besondere Weise “beschreibt” der griechische Künstler ein Zahlenuniversum und läβt daraus eine Art Allegorie entstehen, indem er vor allem die Gleichwertigkeit zwischen Zeichen-Zahl-Impuls festlegt. Gemalt oder dreidimensional geht daraus eine Grundschrift hervor, die ausschlieβlich aus geradlinigen Segmenten besteht, die sich anziehen, sich zusammensetzen und sich durchdringen, so als ob fortwährender Entwicklung eine Art Mikado gebildet wird.

    Wie man ein schillerndes Mantra schafft schlägt eine Kreuzung-Verschmelzung zwischen dem numerisch-Unendlichen informatischer Prozesse und dem geistig-Unendlichen hinduistischer und buddhistischer Mystizismusgedanken vor, wobei in der Wiederholung ihre gemeinsame Triebkraft bestimmt wird. Man darf nicht vergessen, daβ der Begriff Mantra heute sehr häufig im Busineβ - und Kommunikationsbereich verwendet wird, um eine besonderes Ziel zu definieren.
    Dies geschieht analog zur mystischen Praxis, die es erlaubt, sich von der mit den Sinnen wahrnehmbaren Welt zu entziehen, um mit dem Kosmos in Einklang zu kommen und ein höheres Ziel zu verfolgen: Eine spirituelle Verwandlung.

  • Feb 11 2011 - Mar 8 2011

    Kleine Geschichte des deutschen Kinos

    Der bedeutende Künstler aus der Toskana hinterfragt in seinen Arbeiten kontinuierlich die Wechselwirkung von Kunst- und Kinosprache. So ist die Ausstellung mit dem Titel “Kleine Geschichte des deutschen Kinos” dem deutschen Film gewidmet und durchläuft die wichtigsten Etappen des deutschen Autorenfilms. Es werden typische Szenen aus den einzelnen Filmen herausgenommen und auf Papier untersucht, wobei die Malerei sie zusammenfasst und mit Hilfe von Farbanalogien schliesslich den wesentlichen Inhalt, eine interpretative und somit ästhetische Erklärung des Films zum Ausdruck bringt, so dass er nun nicht mehr als Filmkunstwerk, sondern als Malerei verstanden wird. Seine Arbeit läßt sich als eine Űbersetzung von Filmsequenzen definieren, die in einem einzigen Ausdruck der Malerei konzentriert sind. Dorigo zitiert und mischt gerne verschiedene Techniken und Stile und nutzt dabei seine Erfahrung mit Massenkommunikation und grafischen Techniken: Mit Fotokopien und Ölfarben werden seine Werke zu einer bunten Abfolge von Mischtechniken.
    Der Künstler erzählt uns eine bekannte Geschichte auf eine ungewohnte und neue Art, indem er andere Fähigkeiten ausschöpft und den sogenannten Erzählraum erweitert. Das geschriebene Wort, das die Malereioberfläche durchkreuzt, hat keine rein methodische Funktion und bleibt unlesbar, obwohl es alle nützlichen Angaben zum Film wie Regie, Titel, Drehbuch usw. zur Verfügung stellt. Mit der Originalschrift möchte der Künstler seine Loyalität gegenüber dem Thema unterstreichen, mit welchem er sich in seiner persönlichen Neubearbeitung des Kinos auseinandersetzt, ohne die Ikonographie zu verwenden, um seine Popularität auszunutzen. So beschäftigt er sich immer schon mit den zeitgenössischen Ikonen, die der kollektiven Vorstellung angehören, und die ihn zum Nachdenken anregen. Doch in diesem Fall ist es vor allem seine Liebe zum deutschen Kino, der Dorigo seine persönliche und leidenschaftliche Ehrerbietung bezeigen wollte, und zwar indem er mit seinen eigenen Mitteln in seiner Arbeiten informale Zeichen, New-Dada-Verschmelzungen und Anspielungen an Pop-Art abwandelt.
    Gianni Dorigo beginnt Ende der sechziger Jahre zu malen. Seine erste Einzelausstellung 1974 zeigt er in der Galerie Inquadrature, einem geschichtlich bedeutungsvollen Florentiner Ausstellungsraum. Seitdem nimmt er an wichtigen italienischen Kunstausstellungen teil, unter denen u.a. die Quadriennale in Rom. Nach zehn Jahren seiner Suche wendet er sich den Themen und Bildern des Kinos zu.

  • Jan 7 2011 - Feb 8 2011

    Francesco Maria Testa: Immaginario

  • Nov 26 2010 - Dec 31 2010

    Luca Brandi, "Der Schein"

    Wir freuen uns sehr, Sie auf die erste Einzelausstellung von Luca Brandi in unseren Berliner Galerieräumen hinweisen zu dürfen. Der 1961 in Florenz geborene Künstler arbeitet seit etwa zehn Jahren konsequent an seiner persönlichen Interpretation von nicht-gegenständlicher Malerei. Bei Brandi wird das Tafelbild zu einem Medium intensiver Erfahrung von Farbe als Material sowie von Licht und Dunkel als emotional besetzten Grundthemen. Dazu bedient sich der Künstler für seine Lasurtechnik einer stark reduzierten Palette – immer wieder Rot und die „Nicht-Farben“ Schwarz und Weiß – sowie metallischer Farben, insbesondere Gold. In unserer Ausstellung zeigt Brandi neben Leinwandbildern auch neueste, auf mattierte Aluminiumplatten gemalte Farbfelder, darunter auch Werke, die das Prinzip seiner Malerei in Richtung Skulptur weiterentwickeln.

    Brandis künstlerischer Ansatz speist sich aus zwei gänzlich verschiedenen Quellen. Auf der einen Seite steht das Erlebnis der traditionellen religiösen Malerei seiner italienischen Heimat: Bereits als 10-Jähriger wurde er Schüler eines Kirchenmalers und lernte so die Praxis der Goldgrundierung kennen. Die zweite wichtige Quelle seiner Kunst ist die nicht-gegenständliche Malerei der Moderne von Kasimir Malewitsch bis hin zur amerikanischen Farbfeldmalerei. Bei Luca Brandi werden die Metallfarben von jeglicher Symbolik befreit und so eingesetzt, dass sie seinen Bildern eine unergründliche, für persönliche Interpretationen offene Tiefendimension erschließen. Gold und Silber erstrahlen bei ihm nicht in makelloser Reinheit, sondern werden meist von dunklen Farbschleiern und –schlieren überlagert. So bleibt ihre Reflexion diffus, sodass die Bilder ein sanftes, bei längerer Betrachtung zunehmend intensives Leuchten verbreiten. Das Thema Licht und Dunkel ist auch für die Arbeiten mit reinen Farbpigmenten bestimmend. Insbesondere seine roten Monochromien sind so gestaltet, dass die Farbe, je nach Pigmentdichte, partienweise aufstrahlt oder aber sich ins fast Schwarze verdunkelt. Zahlreiche Bilder Brandis weisen horizontale Trennlinien auf, die sie in zwei oder drei Felder teilen, wobei sich helle und dunkle Flächen unvermittelt gegenüberstehen.

    Mit subtilen Mitteln gelingt es Luca Brandi, seine Bilder zu einem lebendigen Gegenüber des Betrachters zu machen, das zu geduldiger, geradezu meditativer Betrachtung auffordert. Ohne einen vorgegebenen Inhalt zu transportieren, wirken sie wie Spiegel oder Projektionsfelder für die Betrachtererfahrung - Instrumente für die Selbstbegegnung im Sehen. Es handelt sich bei diesen Arbeiten, mit den Worten des Künstlers, um so etwas „wie eine Zeit- oder Gedankenmaschine, die den Betrachter zum Reflektieren, Meditieren bringt, mit Hilfe von Farbe, Materie, Spiegelungen.“