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Struktur | Material | Farbe

Während Ingrid Müller-Kuberski zunächst an den Städtischen Theatern in Leipzig und später im Magdeburger Museum Kloster Unser Lieben Frauen arbeitete, setzte ihr eigentliches, freies künstlerisches Schaffen nach längerer krankheitsbedingter Pause verhältnismäßig spät noch einmal mit ganzer Kraft und überzeugender Qualität ein, was nicht heißt, dass auch davor keine bemerkenswerten Arbeiten entstanden. Erinnert sei an ihre bekannten Gobelins u.a. für das Kloster Unser Lieben Frauen. Für die heute auch mit modernster Technik entstehenden Arbeiten sind die frühen Werke wohl die gut genährten Wurzeln für das Spätwerk. ...
Ihre Strukturen findet sie in der Natur, hält sie mit dem Fotoapparat fest und bearbeitet sie dann im oder am Computer. So ist nach 1990 ihr Œuvre um völlig neue Werkgruppen bereichert worden. Die Arbeit mit Strukturen ist für sie nun wesentlich geworden. ...
Seit mehreren Jahren hat sie, wie schon erwähnt den Computer für sich entdeckt. Das hat mit ihren Reisen zu tun, bei denen sie vom Grand Canyon über die Eisberge in Grönland und ihren Spiegelungen im Wasser bis hin zum Wüstensand in Tunesien, Dubai und Israel Farbigkeiten und Strukturen fand, die sie so noch nicht gesehen hatte. Später sind es auch Wellenstrukturen der Ostsee, Fußspuren im Sand, Radspuren, zersprungene Fußwegplatten und anderes mehr aus denen am Computer durch starke Vergrößerungen und durch Collagieren verschiedener Teile Abstraktionen entstehen, die eine neue Welt, eine neue Bildwelt bieten.
Ähnlich ist es mit den Porträts. ... Die Gesichter treten zunächst hinter den Strukturen zurück, ehe sie später durchaus wieder in den Vordergrund treten. Auch die serielle Verwendung ihrer neuen Motive, das Gegeneinander- und Miteinanderstellen verschiedener Motive lässt durchaus an amerikanische Pop-Kunst denken, erst recht, wenn es in wenigen Beispielen farbig wird. Hier wurden bekanntlich die Eigenschaften moderner Verbrauchskulturen und die optischen Reize moderner Umwelt für eine neue Kunst genutzt. Und auch an die Op Art, die die Sehträgheit der menschlichen Netzhaut nutzt, soll erinnert sein.
In ihrem Lebenslauf schreibt die Künstlerin: „Hier habe ich dem PC (es ist bemerkenswert, dass Müller-Kuberskis Arbeiten am PC entstehen und nicht am Mac, an dem doch wohl die meisten kreativen Seelen arbeiten) Dinge entlockt, die den ... im Studium erlernten ornamental-dekorativen Elementen ähneln. Ich finde schöne Formen durch Vereinfachung, es hängt von mir ab, was ich suche und auf welchem Weg ich das finde.“ (Zitatende) Und das lässt sich im Copyshop dann sogar auf Leinen drucken, womit die Künstlerin, ja wieder bei ihrem ureigensten Material angekommen wäre. Fotocollagen nennt sie ihre Arbeiten zumeist, die in der Aufteilung der Fläche etwas Konstruktives haben, im Innern dieser Fläche aber malerische Qualitäten entwickeln. ...

Jörg-Heiko Bruns
Laudatio zur Ausstellungseröffnung Wahlverwandtschaften
von Ingrid Müller-Kuberski und Gabriele Putz in der Galerie Himmelreich Magdeburg
am 27. Mai 2008

August 20, 2011 - November 30, 2011

exhibitions of german-fine-arts

  • Mar 26 2012 - May 27 2012

    Mensch und Landschaft

    »Göldners Bilder stiften eine Art komprimierter Ruhe«, wurde einmal treffend auf einer Vernissage gesagt. Ihre Landschaftsmalerei und die Stilleben sind anmutig und zart, auf traditionelle Weise in sich gekehrt und fernab jeglicher schriller Effekthascherei. Spektakel und Inszenierung, die heutzutage vielmals den Kunstbetrieb beherrschen, sucht man in Göldners Kunst vergeblich. Man findet statt dessen eine feine Empfindsamkeit, die Wahrnehmung, Gefühl und Seele gleichermaßen berührt.

    Schon Anfang der 90er Jahre hatte sie auf der Insel Usedom ein Quartier gefunden; eine Unterkunft, die ihr genug Ruhe und Raum zum Malen ließ. So zog und zieht es Kerstin Göldner immer wieder an die Ostsee zum Zeichnen und Malen. Hier findet sie ihre Themen: das Meer, Uferformationen, die Weite der Felder, das Schilf, die in die Landschaft geduckten Fischerhäuser - vor allem aber das zauberhafte Licht, das sie in ihren Bilder auf einzigartige Weise einfängt. Die Großstadt Berlin - Göldner lebt mitten im quirligen »Szenebezirk« Prenzlauer Berg - hat (zumindest bislang) keinen Eingang,gefunden in ihre Bilderwelt. Die Ruhe und Unaufgeregtheit der norddeutschen Landschaft entsprechen Kerstin Göldners zurückhaltendem Naturell und ihrer stillen, noblen Malerei wohl einfach mehr als die turbulente, grelle Stadt.

    Ihre Naturdarstellungen haben mitunter etwas Entrücktes, Entschwindendes. So schwingt leise die Frage mit, wie lange eine solche unverfälschte Natur, wie lange aber auch eine solch tiefempfundene Malerei noch bestehen werden in unserer Zeit. Göldner läßt Zweifel zu. Immer wieder umkreist, vertieft und übermalt sie - bis das Bild genau so ist, wie die Situation von ihr gesehen, erlebt und empfunden wurde. An ihrer Malerei fasziniert mich immer wieder aufs Neue der Farbklang, jene hellen, freundlichen Farben, in denen Lichtstimmungen so meisterhaft zum Ausdruck gebracht werden. Göldner hat ein unendlich feines Gefühl für Farben in den zartesten Nuancen.
    Kerstin Göldner malt mit großer Energie und Leidenschaft. Obwohl sie erst seit einigen Jahren freischaffend arbeitet, hat ihre Werk  bereits eine klare Richtung, ist ihre künstlerische Handschrift deutlich ausgeprägt. Sie arbeitet vollkommen eigenständig und verfährt sehr selbstkritisch mit ihrem Werk, ist aber auch - zurecht - stolz auf die erreichte künstlerische Qualität.
     
    Sabine Röske | zitiert aus der Rede zur Eröffnung einer Einzelausstellung in der Galerie Mitte | Berlin | September 2008

  • Jan 25 2012 - Mar 25 2012

    Die Sinne der Erde

    »Das Bild der Erde«, ein Langzeitprojekt des Münchner Künstlers Ekkeland Götze… Seit nunmehr 30 Jahren nimmt er Proben und druckt sie in einem eigens entwickelten, Terragrafie genannten Verfahren auf Papier. Es geht ihm … nicht darum, die Welt abzubilden, auch wenn dies durch sein Verfahren hypothetisch möglich wäre, sondern viel mehr, uns die ungeheure Bedeutung bestimmte Orte und Gegenden für bestimmte Kulturen vor Augen zu führen. Die meisten seiner Projekte befassen sich mit Gegenden, die über eine hohe mythisch-religiöse Signifikanz verfügen: der Berg Sinai, Kailas, der heiligste Berg der Tibeter, Kreta als Wiege der minoischen Kultur, die songlines der Aborigines. Die Fundorte haben für die dort lebenden Menschen eine spirituelle, mythologische, historische oder kulturelle Bedeutung als Siedlungsstätten der verschiedensten Völker. Solche mythisch aufgeladene Orte verfügen über eine ungeheure zeitliche Konsistenz, die auch Eroberung und Regierungswechsel überdauert. Aus diesem Grund haben ja die frühen christlichen Missionare ihre Kirchen auf den heidnischen Kultstätten errichtet. Auch die christlichen Pilgerorte orientierten sich häufig an bestehenden, von anderen Göttern bereits bewohnten Gegenden.

    In modernen postindustrialisierten Gesellschaften ist es inzwischen unüblich geworden, dort zu leben, wo man geboren wurde. Kaum nachvollziehbar ist es daher, welche Bedeutung so genannte Ureinwohner dem Geburtsort beimessen. In der Maori-Kultur meiner Heimat Neuseeland ist die Beziehung zwischen dem Individuum und dem Geburtsort identitätsprägend. Der Begriff des »whenua«, das normalerweise mit »Land« übersetzt wird, konnotiert vielmehr, da das Wort »whenua« auch »Nachgeburt« bedeuten kann und auf die Praxis hinweist, dass nach der Geburt der Mutterkuchen vor dem Geburtshaus begraben wird. Damit steht der einzelne Mensch in einem metaphorischen, aber auch metonymischen Bezug zu einen bestimmten Stück Erde, da ein Teil von ihm dort begraben ist. Solchen Bezügen spürt Ekkeland Götze in seinen Terragrafien nach, wobei die kulturelle und geographische Reichweite im wahrsten Sinne des Wortes weltumspannend ist. Sein Fokus ist jedoch nicht nationalstaatlich: die Terragraphien repräsentieren nie das Land Neuseeland, Australien, Tibet usw., sondern mythisch signifikante Mikro-Orte, oder gelegentlich auch Makro-Orte im Falle des Amazonas-Gebiets.

    Christopher Balme | Auszüge aus dem Vorwort zum Katalog der Ausstellung »Das Bild der Erde« an der Uni München.

  • Dec 1 2011 - Jan 24 2012

    collotype und monoprint

    In meinen Druckgrafiken und Zeichnungen beschäftige ich mich mit den Themen Zeit und Wachstum. Ich untersuche Teile von fiktiven und realen Wahrnehmungsprozessen im Zusammenhang mit eigenen synästhetischen Erfahrungen, in denen akustische Reize z. B. Farb- und Formwahrnehmungen hervorrufen.
    Beim kreativen Prozess lasse ich Pinselzeichnungen, Skizzen und Elemente digitalisierter
    verfremdeter Bilder als Collagen und Bildebenen (ähnlich der Schichtung der Ebenen
    und Kanäle im digitalen Bildbearbeitungsprogramm) entstehen.
    So interpretiere ich vorgefundene Möglichkeiten der Wahrnehmung und setze sie in Beziehung als eigene Geschichte in der fremden Geschichte der anderen.
    Die meisten meiner Vorstellungen setze ich in Zeichnungen und Druckgrafiken um.
    Die Druckgrafiken sind meist vielfarbig und wurden von Hand gedruckt.
    Ich kombiniere Hochdrucktechniken und Graphitzeichnung, drucke collageartig verschiedene Elemente und setze sie in neue Zusammenhänge.
    Es entstehen so Unikatedrucke / monoprints oder Auflagen bis zu drei Blättern.
    Diese Ausstellung präsentiert mehrfarbige Holz- und Linolschnitte und u. a. die 2011 im Leipziger Lichtdruck-Symposium im Museum für Druckkunst entstandenen Lichtdrucke.
    Das heute nur noch in Leipzig und Kyoto (Japan) gepflegte Verfahren des Lichtdrucks / Collotype zeichnet sich durch eine Fülle an Halbtonwerten und eine sehr feine Farbauflösung aus und bietet sich als ideales Experimentierfeld an. Das Leipziger Symposium für Lichtdruck ist weltweit einzigartig.
    Das Druckverfahren aus dem 19. Jahrhundert wurde ursprünglich für originalgetreues Reproduzieren von Fotos, künstlerischen Abbildungen, Faksimiles etc. entwickelt.
    Bei diesem sehr aufwendigen und empfindlichen Prozess wird eine mit fotoempfindlicher Gelatine beschichtete Glasplatte belichtet und direkt mit bestimmten Chemikalien bemalt. Es entsteht dabei das so genannte Runzelkorn der Gelatineoberfläche, das die unnachahmliche Druckqualität dieser Technik ermöglicht.
    Christiane Werner

  • Aug 20 2011 - Nov 30 2011

    Struktur | Material | Farbe

    Während Ingrid Müller-Kuberski zunächst an den Städtischen Theatern in Leipzig und später im Magdeburger Museum Kloster Unser Lieben Frauen arbeitete, setzte ihr eigentliches, freies künstlerisches Schaffen nach längerer krankheitsbedingter Pause verhältnismäßig spät noch einmal mit ganzer Kraft und überzeugender Qualität ein, was nicht heißt, dass auch davor keine bemerkenswerten Arbeiten entstanden. Erinnert sei an ihre bekannten Gobelins u.a. für das Kloster Unser Lieben Frauen. Für die heute auch mit modernster Technik entstehenden Arbeiten sind die frühen Werke wohl die gut genährten Wurzeln für das Spätwerk. ...
    Ihre Strukturen findet sie in der Natur, hält sie mit dem Fotoapparat fest und bearbeitet sie dann im oder am Computer. So ist nach 1990 ihr Œuvre um völlig neue Werkgruppen bereichert worden. Die Arbeit mit Strukturen ist für sie nun wesentlich geworden. ...
    Seit mehreren Jahren hat sie, wie schon erwähnt den Computer für sich entdeckt. Das hat mit ihren Reisen zu tun, bei denen sie vom Grand Canyon über die Eisberge in Grönland und ihren Spiegelungen im Wasser bis hin zum Wüstensand in Tunesien, Dubai und Israel Farbigkeiten und Strukturen fand, die sie so noch nicht gesehen hatte. Später sind es auch Wellenstrukturen der Ostsee, Fußspuren im Sand, Radspuren, zersprungene Fußwegplatten und anderes mehr aus denen am Computer durch starke Vergrößerungen und durch Collagieren verschiedener Teile Abstraktionen entstehen, die eine neue Welt, eine neue Bildwelt bieten.
    Ähnlich ist es mit den Porträts. ... Die Gesichter treten zunächst hinter den Strukturen zurück, ehe sie später durchaus wieder in den Vordergrund treten. Auch die serielle Verwendung ihrer neuen Motive, das Gegeneinander- und Miteinanderstellen verschiedener Motive lässt durchaus an amerikanische Pop-Kunst denken, erst recht, wenn es in wenigen Beispielen farbig wird. Hier wurden bekanntlich die Eigenschaften moderner Verbrauchskulturen und die optischen Reize moderner Umwelt für eine neue Kunst genutzt. Und auch an die Op Art, die die Sehträgheit der menschlichen Netzhaut nutzt, soll erinnert sein.
    In ihrem Lebenslauf schreibt die Künstlerin: „Hier habe ich dem PC (es ist bemerkenswert, dass Müller-Kuberskis Arbeiten am PC entstehen und nicht am Mac, an dem doch wohl die meisten kreativen Seelen arbeiten) Dinge entlockt, die den ... im Studium erlernten ornamental-dekorativen Elementen ähneln. Ich finde schöne Formen durch Vereinfachung, es hängt von mir ab, was ich suche und auf welchem Weg ich das finde.“ (Zitatende) Und das lässt sich im Copyshop dann sogar auf Leinen drucken, womit die Künstlerin, ja wieder bei ihrem ureigensten Material angekommen wäre. Fotocollagen nennt sie ihre Arbeiten zumeist, die in der Aufteilung der Fläche etwas Konstruktives haben, im Innern dieser Fläche aber malerische Qualitäten entwickeln. ...

    Jörg-Heiko Bruns
    Laudatio zur Ausstellungseröffnung Wahlverwandtschaften
    von Ingrid Müller-Kuberski und Gabriele Putz in der Galerie Himmelreich Magdeburg
    am 27. Mai 2008

  • Jun 26 2011 - Aug 20 2011

    different frequencies

    SABINE LAIDIG

    Die 1960 in Sindelfingen geborene Künstlerin studierte in Stuttgart und Frankfurt am Main, sie unterrichtete 1989-99 in Ludwigsburg, seit 1997 in Trier, 2005 in Greifswald und Rostock. 1997-98 legte sie ein Postgraduiertenstudium in Japanologie ab und absolvierte einen Studienaufenthalt in Japan und das vor allem war für die Entwicklung ihres weiteren künstlerischen Werkes von großer Bedeutung. Nicht unerwähnt sollte sein, dass Sabine Laidig mehrere Preise erhielt und Wettbewerbe im Bereich von Kunst am oder im Bau (z.B. Landtagsgebäude im Fürstentum Liechtenstein 2008/9) erfolgreich abschloss.

    Was wir hier sehen, aber auch nur dann sehen, wenn wir uns „meditativ“ auf diese Zeichnungen einlassen, so erleben wir etwas sehr Besonderes, denn Sabine Laidig gelingt es, „Rationalität und Intuition“ gleichermaßen ins Spiel zu bringen und miteinander zu verbinden. Der Entstehungs- und Arbeitsprozess dieser Arbeiten geschieht in höchster Konzentration, in einer meditativen Stimmung, die sich auf den Betrachter überträgt. Die von der Künstlerin in Japan gemachten Erfahrungen finden hier ihre schöpferische Umsetzung. Die Zeit, die sie für diese Arbeiten verwendet, ist in ihnen aufgehoben, und wenigstens einen Bruchteil dieser Zeit sollte man auch für ein aufmerksames HINSEHEN verwenden.

    Feinste, dünn gezogene Farblinien mit Pigmentstiften oder mit Tuschen überziehen in strenger Parallelität das Weiß des Papiers, sie bilden kleine und kleinste Quadrate von 2 bis 8 mm und besitzen einen Abstand bis zu 1 mm. Erst bei konzentrierter Betrachtung entfaltet sich die volle Wirkung, entwickelt sich eine Progression von Blatt zu Blatt. Es entsteht ein geistig-abstrakter Dialog, der sowohl auf dem Bildträger zwischen der subtilen Farbigkeit und der blendenden Helligkeit des Papierweiß, bzw. der Leinwand stattfindet.

    Nach längerem Hinschauen, nach einem sich Einlassen auf das, was da scheinbar ein NICHTS ist, scheinen die Zeichnungen, wie auch die Malerei, aus sich heraus zu erstrahlen, Licht zu verströmen, obwohl die vermeintliche Farblosigkeit, Farbtöne von lichtem Graublau oder hellem Orange, von gelb-, rot- oder kühlem blaustichigem Weiß auf dem Weiß der Leinwände oder der Papiere kaum wahrnehmbar sind, aber dennoch reflektieren. So entwickelt sich ein Lichtraum zwischen der Farboberfläche auf dem Blatt oder der Leinwand und dem Auge (Netzhaut) des Betrachters.
    Die so entstehende Vibration und Bewegung, das Vor und Zurück der Raster, wenn sie wollen, die Lichtfrequenzen, vermögen auch das Auge des Betrachters in Schwingungen zu versetzen, wenn Sie es zulassen. Außerdem kommt es bei all ihren Arbeiten sehr auf die Beleuchtung des Raumes an, auf den Lichteinfall, auf Tages- oder Kunstlicht. Daher kann es sein, dass Zeichnungen und Leinwände stets einen anderen, einen neuen und überraschenden Ausdruck vermitteln.

    Ausschnitte aus der Rede von Dr. Sibylle Badstübner-Gröger anläßlich der Ausstellungseröffnung »LOW FREQUENCY« am 17.3.11 in der »Galerie im Turm«, Berlin

  • Mar 31 2011 - Jun 25 2011

    Berlin - Die unaufhörliche Suche

    Mit sieben Jahren begann DS Allen zu fotografieren. Mit vierzehn wurde er Lehrer an der privaten Fotoschule seines Vaters Brian Allen, und im Alter von achtzehn war er bereits als kommerzieller Fotograf etabliert. In Kunstausstellungen zeigte DS Allen anfangs traditionelle Landschaftsaufnahmen, die mit der Großformatkamera entstanden waren. Während der 80er Jahre arbeitete er an industriellen und urbanen Landschaften und setzte sich auf diese Weise mit den grundlegenden Veränderungen der Thatcher-Zeit aus einander.

    1989 kamm er über die Bermondsey Artists’ Group und deren Projekt Kunstbrücke erstmals nach Berlin, zum Prenzlauer Berg. Schon bei seinem ersten Besuch wurde ihm klar, dass er hier gewissermaßen seine fotografische Heimat gefunden hatte. Der desolate Zustand der Gebäude, das Durcheinander von Hochleitungen, das Helldunkel über der Stadt und die einzigartiger Atmosphäre ermöglichten es ihm, verschiedene seine bisherigen Ansätze zusammenzuführen. Seither verfolgt DS Allen eine Reihe von parallel laufenden Serien, die immer wieder erweitert und neu zusammengestellt werden. Dabei ist er betständig auf der Suche nach dem Ungewšhnlichen, das bei genauer Betrachtung nicht zuletzt auch im Gewöhnlichen zu finden ist. Indem er radikale Ausschnitte und Standpunkte wählt, um einen völlig neuen Blick auf städtische Umgebungen zu werfen, schafft er neue Welten des Alltags und präsentiert seine Motive mit eine neuen oder andersartigen Identität.

  • Dec 20 2010 - Mar 31 2011

    Menschenatlas

  • Oct 15 2010 - Dec 20 2010

    Passagen

  • Aug 2 2010 - Oct 15 2010

    Körperland

    KÖRPERLAND

    Einblicke

    Der Blick fliegt über eine zarte, harmonische Farbenwelt, dringt ein in die Tiefen einer unberührten Schneelandschaft, wandert an dem dunkel hervor scheinenden Waldsaum entlang und bricht durch das Gehölz zu einem verlassenen Ufer. Er gleitet über die ihm offenbarten, wunderlichen Formen, löst sich, schweift zurück über die verschneite Lichtung und heftet sich schließlich auf ein Detail, das ihn schon seit Beginn seiner Reise im Augenwinkel begleitet hat. Suchend und fragend tastet er sich über Runzeln und Fältchen, folgt dem Mosaik verästelter Risse, erkennt die vertrauten Strukturen menschlicher Haut und nimmt sie in ihrer dem Winterland entlehnten Farbigkeit doch so verändert wahr (. . .).

    Nur mit Mühe kann sich der Betrachter aus seiner Entdeckung zurückziehen, den Blick klären und wiederum aufsteigen lassen,
    um sogleich in eine weitere, neuartige Welt einzutauchen.

    Mit einem unglaublichen Gespür für Farben, Formen und Strukturen verbindet Barbara Celestina Landschafts- und Architekturfotografie mit Detailaufnahmen von ihr bemalter Körper. Aus drei, zuweilen vier Einzelbildern komponiert sie poetische Einheiten und hüllt jedes Körperland in seine eigene Atmosphäre. Der Betrachter wird durch eine farbenreiche Erlebniswelt geführt, die sinnliche Erotik ebenso mit einschließt wie das melancholische Wissen um Vergänglichkeit.
    In dieser Welt dominieren die Sinne den Verstand. Wie Barbara Celestinas Modellen selbst, die ganz in sich gekehrt Augen und Mund stets geschlossen halten, ist auch dem Betrachter meditatives Erleben gegönnt.

    Indem sie mit „Körperland“ zwar ihrem Werkkomplex ein Thema zugewiesen hat, die Bezüge des einzelnen Kunstwerks jedoch offen lässt, gibt Barbara Celestina dem Betrachter den Zugang zu seinen eigenen Empfindung frei.
    Jedem, der gewillt ist, sich einzulassen, kann eine individuelle Erfahrung zuteil werden, die seinen Blick auf die Welt noch lange begleiten wird.

    Larissa Gutsch